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Andreas Kölbl in der Waiblinger Kreiszeitung, Dezember 2004

Als Neunjähriger erste Harmonika entdeckt

Die Chemie stimmt: Seit 30 Jahren ist Edmund Holzwarth Dirigent
des Harmonikaorchesters Endersbach
Weinstadt-Endersbach.
„Ob's ein Verdienst ist, weiß ich nicht”, sagt Edmund Holzwarth. Als alltäglich gilt's in Musikerkreisen jedenfalls nicht, was er mit 51 Jahren schon geschafft hat, und dem Deutschen Harmonikaverband war's die Goldene Dirigentennadel wert: Seit 30 Jahren leitet er das Harmonika-Orchester Endersbach.

Etliche Musik- und Gesangvereine wechseln alle paar Jahre Ihre Dirigenten. Sei's, dass die Chemie zwischen Chef und Orchester respektive Chor nicht stimmt. Sei´s, dass es den musikalischen Leiter aus beruflichen, familiären oder künstlerischen Gründen von dannen zieht. Edmund Holzwarth aber ist immer am Ball geblieben, seit 1974. Außer den Endersbachern dirigiert er auch noch das Akkordeonorchester in Ebersbach an der Fils, wo er aufgewachsen ist.
Neun Jahre alt war Edmund Holzwarth, als er auf dem Dachboden seines Elternhauses eine Handharmonika entdeckte. Seine ältere Schwester hatte einst angefangen, darauf zu spielen, und es dann doch wieder aufgegeben. Der Junge aber wollte nicht davon lassen, wollte unbedingt das Instrument lernen - und bekam Privatunterricht bei Eugen Hohnecker, der über viele Jahre sein Lehrer sein sollte.
Mit 21 Jahren übernahm der Lehramtsstudent das Harmonika-Orchester Endersbach, bewarb sich wegen dieser Tätigkeit später auch für eine Schule vor Ort: Bis zu den letzten Sommerferien unterrichtete er an der Erich-Kästner-Schule und wechselte dann als Konrektor an die Wolfgang-Zacher-Schule in Waiblingen. Mit dem Harmonika-Orchester Endersbach verbinden Edmund Holzwarth längst auch familiäre Bande: Sein Schwiegervater Albert Rühle ist Ehrenmitglied des HOE.
Im Laufe der Jahre als Dirigent hat. der Pädagoge offenbar das rechte Maß gefunden, er über- und unterfordert sein Orchester nicht. Zum einen fordert er Disziplin. Denn „laisser-faire ist Gift” - sowohl in der Musik wie in der Schule. Zum anderen ist er sich bewusst, „dass wir nicht die Stuttgarter Philharmoniker sind”. Sondern Menschen, die
 
unterschiedlichen Berufen nachgehen und in ihrer Freizeit aus Freude an der Musik Akkordeon spielen. Was seine Ansprüche ans erste Orchester anbelangt, heißt die Devise deshalb: „Immer an der Oberkante, und manchmal darüber hinaus”. Aber nicht zu weit und nicht auf Dauer. Verdruss wäre sonst die natürliche Folge. Und wenn der Dirigent zuweilen doch etwas ungehalten oder ungeduldig wird, dann wissen seine Musiker damit umzugehen. Man kennt sich schließlich seit Jahren.
„Das Publikum”, sagt Edmund Holzwarth, „ist natürlich ein Faktor.” Aber halt nicht der einzige. Wertungsspiele beim Verband bringen das Orchester voran, denn dort ist Qualität gefragt - wovon letztlich auch das Publikum profitiert. So gibt das HOE bei Konzerten gerne Anspruchsvolles zum Besten, wie neulich die „Suite” von Hans Joseph Wedig.
Jacobi, Hippe, Dobler und besagter Wedig, solche Originalkompositionen fürs Akkordeon schätzt der Dirigent besonders, hört sie auch zu Hause gerne. Oder Wagner-Opern. Für Volksmusik hat Edmund Holzwarth auch einiges übrig, „wenn sie echt ist”, wie beispielsweise die „Biermösl Blosn”. Volkstümliche Musik, die ins Schlagerhafte tendiert, diese „grinsenden Bubis” in ihrer Glitzerwelt, sind jedoch nicht sein Ding. Bei Konzerten vor Ort hört er sich an, was die Akkordeonorchester der näheren Umgebung draufhaben. Wobei sich durch Begriffe keiner in die Irre führen lassen sollte, betont Holzwarth: Handharmonika, obwohl sich viele Vereine so nennen, wird in ersten Orchestern wenig gespielt. Die Handharmonika, das im Vergleich zum Akkordeon einfachere Instrument war zur Gründungszeit dieser Clubs noch stärker verbreitet als heute. Die Vereinsnamen blieben, aber die Handharmonika wich weitgehend dem Akkordeon.
Auch nach 30 Jahren als Dirigent stellt Edmund Holzwarth sich selbst und seine Musiker mit Freude vor neue Aufgaben: 2005 will er die beiden Orchester aus Ebersbach und Endersbach für ein Konzert mit 40 Akkordeons zusammenführen.
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