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Bernd Klopfer in der Waiblinger Kreiszeitung, 8. September 2014

„Komm, tanz mit mir”

Vom Linedance bis zum lateinamerikanischen Tanz ist beim 49. Endersbacher Weinfest alles geboten worden
Weinstadt-Endersbach.
Dass am Ende die ganze Jahnhalle eine Zugabe gefordert hat, ist kein Wunder: Die beiden Tanzpaare vom TSC Astoria Stuttgart haben beim Endersbacher Weinfest am Samstagabend gezeigt, wie leidenschaftlich lateinamerikanische Tänze sein können. Auch die Linedancer aus Hebsack sind gut angekommen. So was gibt es auf Weinfesten schließlich nicht alle Tage.

Alles beginnt ganz konventionell. Günter Hausenbiegl vom Vorstand des Harmonika-Orchesters Endersbach ruft Stefanie Bauer und Rolf Weller auf die Bühne der Jahnhalle. Die junge Großheppacherin muss ran, weil sie im Mai zur neuen Weinstädter Weinkönigin gekürt wurde - und da sind bestimmte Feste im Jahr einfach Pflicht. Rolf Weller, der Fraktionschef der Freien Wähler im Gemeinderat, ist als Vertreter der Stadt da, „für den urlaubsgeschädigten OB”, wie Moderator Günter Hausenbiegl süffisant anmerkt. Stefanie Bauer berichtet kurz davon, wie es um den Wein in diesem Jahr steht und sagt dann ein Sprüchlein auf: „Nimmst Du täglich Deinen Tropfen, wird Dein Herz stets freudig klopfen, wirst im Alter wie der Wein, stets begehrt und heiter sein.” Rolf Weller spricht dem Harmonika-Orchester stellvertretend für alle Weinstädter Vereine ein dickes Lob aus. „Sie sind die besten Sozialarbeiter unserer Stadt.” Und zitiert dann den Dramatiker William Shakespeare, der einst gesagt haben soll: „Wer Wein trinkt, schläft gut. Wer gut schläft, sündigt nicht. Wer nicht sündigt, wird selig. Wer also Wein trinkt, wird selig.” Günter Hausenbiegl steuert noch einen Weinwitz bei, dann werden die Gläser gehoben. Im Prinzip könnte all das so auch beim Weinstadt-Weindorf ablaufen - doch das Harmonika-Orchester hat sein Fest mit Tanzshows aufgepeppt.

Landesmeister bekommen viel Applaus
Gleich zweimal sind an diesem Samstagabend zwei Paare des TSC Astoria Stuttgart aufgetreten. Mit lateinamerikanischen Tänzen haben die jungen Paare, die sich immerhin Landesmeister nennen dürfen, dem Publikum richtig eingeheizt. Aus den Boxen der Anlage erklingen dazu bekannte lateinamerikanische Hits wie „Mas que nada”. Und die Mischung kommt bei den Gästen gut an: Der Applaus ist extralang, am Schluss ruft der ganze Saal sogar „Zugabe”. Zuvor haben bereits die sechs Linedancer aus Hebsack auf der Bühne für Stimmung gesorgt. Und gleich nach dem Auftritt der Weinkönigin, als Alleinunterhalter Wolfgang Sprich den Schlager
  „Die Fischer von San Juan” anstimmt, gesellen sich sofort zehn tanzfreudige Paare aufs Parkett. Margit Siegle vom Vorstand des Harmonika-Orchesters ist es wichtig, beim Weinfest stets was Neues zu bieten. Ihr Verein organisiert alle zwei Jahre abwechselnd mit dem Liederkranz das Fest. Das gibt es immerhin schon seit Mitte der 60er. Lange ist in der Endersbacher Kelter gefeiert worden, doch dort wurde es irgendwann zu eng - und so wanderte die Veranstaltung Mitte der 90er in die Jahnhalle. Zugute kommt dem Weinfest auch der Krämermarkt, der seit Ende der 90er immer zeitgleich stattfindet - und zwar am Sonntag, dem Familientag des Fests. Fürs nächste Jahr will Margit Siegle noch mal eine Schippe drauflegen: Immerhin steht das 50. Endersbacher Weinfest an. Für sie eine gute Gelegenheit, ausnahmsweise gemeinsam mit dem Liederkranz das Fest auszurichten. „Dann könnten wir was Besonderes draus machen.”

Harmonika-Orchester hat alles organisiert
Stolze 260 Mitglieder hat das Harmonika-Orchester Endersbach derzeit - und immerhin rund 25 von ihnen haben beim Ausrichten des 49. Endersbacher Weinfests mitgeholfen. Margit Siegle vom Vorstand weiß schließlich, dass es gar nicht immer so einfach ist, in den Sommerferien genügend Freiwillige zu finden.
Gut aufgestellt ist das Harmonika-Orchester bei der Kinder- und Jugendarbeit: 50 Kinder und Jugendliche (bis zum Alter von 16 Jahren) lernen derzeit ein Instrument im Verein, davon 35 Akkordeon und immerhin 15 Melodica. Die musikalische Früherziehung kommt ebenfalls an: 150 Kinder besuchen den sogenannten Musikgarten. Dort wird den Kindern in Kleingruppen Lust auf Musik gemacht.
Mit der Unterstützung durch die Stadt ist das Harmonika-Orchester zufrieden - schließlich wird das gemeinsam mit dem Musikverein genutzte Endersbacher Vereinsheim endlich saniert. Immerhin 100 000 Euro stellt die Stadt dafür bereit. „Wir sind froh, dass das nicht verkauft wurde”, sagt Margit Siegle.
Eine Brandschutztreppe kommt nun außen hin, dazu werden die Fenster erneuert - und wenn das Geld reicht, wird auch gleich die Heizung modernisiert. Aber auch der Musikverein und das Harmonika-Orchester müssen laut Margit Siegle was beisteuern: ”Wenn alles fertig ist, sollen wir selber für die Verbrauchskosten aufkommen.” Fertig werden soll wohl alles bis Ende des Jahres.
Am Samstag, 18. Oktober, feiert das Harmonika-Orchester von 19.30 Uhr an seinen 80. Geburtstag - und zwar mit einem Jubiläumskonzert in der Jahnhalle.
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