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Marisol Simon in der Waiblinger Kreiszeitung, Oktober 2005

Große Bühne, noch größerer Beifall

Herbstkonzert des Harmonika-Orchesters Endersbach gemeinsam mit den Freunden
aus Ebersbach
Weinstadt-Endersbach
Konzert zu zwei Orchestern, 45 Akkordeons und einem Dirigenten: Das Harmonika-Orchester Endersbach und das Akkordeon-Orchester Ebersbach spielten gemeinsam auf. Festlich und nicht zu feierlich, war die Musikauswahl wie geschaffen für diesen strahlenden Herbstsonntag. Auch wenn's rundum vor Angeboten wimmelte - die Matinee in der Jahnhalle war gut besucht.
Die herbstlich dekorierte Bühne ragt in die Halle hinein, sie musste vergrößert werden, damit alle 45 Musikerinnen und Musiker drauf passen. So viele Akkordeonspieler auf einer Bühne - schon das ist eine kleine Sensation. Bei der Menge an zu spielenden Noten kommt der Dirigent Edmund Holzwarth auch nicht mit einem Dirigentenpult allein aus - die Blätter fanden mit Mühe auf zwei Pulten Platz. Die Halle ist voll, die 230 Stühle besetzt. Eine Anzahl von Kindern ist auch im Publikum. In der ersten Reihe sitzt die siebenjährige Jasmin, auch sie lernt seit ein paar Wochen das Akkordeonspielen. Heute ist sie gekommen, weil ihre Lehrerin im Orchester mitspielt.
Als einen Klangkörper der besonderen Art kündigt Hildegard Schmidt, die durch das Programm führt, das erste Stück an. Diese Komposition des ungewöhnlichen Programms hat Dirigent Edmund Holzwarth selbst bearbeitet. Es ist Mozarts Adagio und Fuge c-moll, Köchelverzeichnis 546, ursprünglich für ein Streichquartett komponiert. In der Fassung für zwei Akkordeon-Orchester erinnert es viel eher an den Klang einer gewaltigen Orgel.
Die darauf folgende Wassermusik-Suite hat der Komponist Georg Friedrich Händel vor 300 Jahren für einen Ausflug des Königs auf der Themse komponiert. Mit dem Arrangement von Rudolf Würthner können sich die Hörenden auf eine Neckar-Schifffahrt mit Gala-Diner träumen. Der Trompetenklang kommt vom Electronium, einem elektrischen Akkordeon, das eine Palette von Instrumenten imitieren kann.
Das einzige original für Akkordeon komponierte Stück ist die „Musik für doppelchöriges Akkordeon-Orchester und
 
Schlagwerk” von Paul Kühmstedt. Dafür müssen sich die Musiker umsetzen: links die Ebersbacher, rechts die Endersbacher. Dann musizieren sie, als ob sie sich Bälle zuspielen oder miteinander reden. Links fragt, rechts antwortet. Die 50 Jahre alte Komposition hat nichts an musikalischer Kraft eingebüßt.
Eine „schelmische” Serenade hat der Engländer Derek Bourgeois zu seiner eigenen Hochzeit komponiert. Mit typisch britischem Humor setzte der Komponist die verschiedensten Taktarten in die für Orgel geschriebene Serenade ein, die abrupt wechseln, zum Bespiel vom Walzer zum Marsch. „Vertrackte Takte” nennt sich das. Ein feierliches Ausschreiten aus der Kirche war damit auch nicht mehr möglich. Was die Braut zu diesem Hochzeitsgeschenk gemeint hat, ist nicht überliefert. Wolfgang Russ arrangierte das humorvolle Stück für Akkordeon, das beim Publikum für Heiterkeit sorgte.
„Finlandia” machte Jean Sibelius weit über seine Landesgrenzen hinaus berühmt. Der Anlass zu dieser Komposition war eine Protestfeier des finnischen Volkes gegen die russische Herrschaft und ist auch mit Kampflied und Siegeshymne” betitelt. In den drohenden Harmonien” des ersten Motivs können die Zuhörenden die unterschwellige rebellische Stimmung heraushören. Mit diesem Stück war das Programm offiziell beendet, für das begeisterte Publikum gab es natürlich noch eine Zugabe. Die beiden Orchester spielten Georges Bizets Farandole” aus der Suite Arlesienne.
Viel Applaus gab es für dieses außergewöhnliche Konzert. Seit Anfang dieses Jahres haben die Musikerinnen und Musiker regelmäßig dafür geübt: die Endersbacher immer dienstags, die Ebersbacher immer donnerstags. Mit immer demselben Dirigenten. In den letzten 20 Jahren war das die dritte Matinee dieser Art. Ein Termin für die nächste steht jetzt noch nicht fest. Das machen wir, wenn wir wieder Lust dazu haben, sagt Edmund Holzwarth.
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