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Waiblinger Kreiszeitung, Mai 1984

„Wir haben uns verschworen...”

Weinstadt-Endersbach
Sieben waren es - der Bubecks Fritz, der Kuchers Paul, der Karl Walter, der Eugen Abele und wie sie alle hießen - sieben Freunde, die in einer lauen Sommernacht im Juni 1934, als der Wein wohl reichlich floss, einen Entschluss fassten: Gemeinsam eine Handharmonika zu kaufen.

So hat es angefangen mit dem Harmonika-Orchester Endersbach. Sieben Schwaben, eine Idee.
Geld hatten sie nicht viel, dafür umso mehr Begeisterung. „Wir haben uns verschworen, es unbedingt lernen zu wollen”, dieser pathetische Satz steht im Vereinsprotokoll nachzulesen. In der Sport- halle an der Schorndorfer Straße versuchten sich die jungen Endersbacher auf der Handharmonika.
Erfolgreich offensichtlich, denn schon einige Monate später machten die Musikanten Ernst aus dem ehemaligen Jux: sie gründeten den „Harmonika-Club”. Karl Walter wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt, ein Dirigent, Albert Mack, war ebenfalls bald gefunden. Und die Mitgliederzahl wuchs - dank der Mund- propaganda - ständig.
Dann kam der zweite Weltkrieg und setzte einen vorläufigen Schlussstrich unter die Vereinsaktivitäten. Nach dem Krieg war es Karl Walter, der den Harmonika-Club 1947 wieder zu neuem Leben erweckte. Ziemlich schnell ging es wieder aufwärts. Im Jahr 1959 feierte der Harmonika-Club sein 25jähriges Jubiläum und nannte sich fürderhin „Harmonika-Orchester” - immer- hin zählte der Verein jetzt annähernd 120 Mitglieder.
Und sammelte genug Lorbeeren. Beim Europatreffen in Luzern, beim „Tag der Harmonika” in Stuttgart zeigten die Enders- bacher, was sie konnten. „Urkunden”, meint der heutige erste Vorsitzende Rudolf Lausch,
  „hammer genug”. Besonders stolz ist Lausch auf den jüngsten Erfolg: das Jugendorchester belegte 1981 den ersten Preis beim Landeswettbewerb.
Hat das Leistungsdenken jetzt dem früheren „aus Spaß an der Freud spielen” Platz gemacht? „Man hat auch Vergnügen”, das ist klar, meint Rudolf Lausch. Auf Ausflügen, beim gemeinsamen Viertele nach der Probe. Die Kameradschaft stimme. „Aber Musik bedeute schon vor allem ernsthaftes Arbeiten”.
Rund 180 Mitglieder zählt der Verein, über 70 davon sind Jugendliche. Vor Nachwuchs-problemen braucht sich der Endersbacher Akkordeonverein nicht zu fürchten. Was macht einen Verein wie diesen so attraktiv? „Die Gemeinschaft”, glaubt der Vorsitzende, „dass Kinder in der Gemeinschaft musizieren können”. Und nicht nur „Schrumm-Schrumm”-Melodien, sondern mit der Zeit auch anspruchsvolle, klassische und moderne Stücke.
Billig ist dieses Hobby freilich nicht. Ein gutes Akkordeon kostet um die 6000 Mark. Die Mitglieder müssen es meist selbst kaufen, denn der Verein hat nur einige wenige zum Ausleihen.
An diesem Wochenende, anlässlich der Feier zum 50jährigen Jubiläum, will das Harmonika-Orchester Endersbach Kost- proben seines Könnens servieren.
Heute Abend ist Auftakt mit einem Festakt in der Jahnhalle Endersbach (Beginn 19 Uhr). Morgen Abend, 20 Uhr, findet am selben Platz ein Festkonzert statt mit einem Repertoire, das vom Donauwellenwalzer über die „Suite moderne” bis hin zur Ouvertüre von Suppés Oper „Dichter und Bauer” reicht. Den Abschluss des Jubiläums bildet eine Gedenkfeier am Sonntag auf dem Endersbacher Friedhof. Beginn 11:15 Uhr.
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© 2018 HOE • Autoren: Jörg und Martin • Alle Rechte vorbehalten • Stand: 3. August 2016