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Guntram Stadelmann in der Waiblinger Kreiszeitung, September 2004

Im Wein liegt Wahrheit, deshalb stößt man an

Der Kabarettist Christoph Altmann beim Endersbacher Weinfest / Ein Novum, das sich auszahlt: 250 Gäste in der Jahnhalle
Weinstadt-Endersbach.
Das diesjährige Endersbacher Weinfest wartete mit neuem Konzept auf. Der Kabarettist und Musiker Christof Altmann spielte in der Jahnhalle. Und er forderte die Gäste eifrig zum Vierteleschlotzen auf. Getreu dem Motto: „Ein Württemberger ohne Wein wird nie ein Württemberger sein.” Der Anblick in der Jahnhalle ist ungewohnt. Der Gesangverein Lieder-kranz und das Harmonika-Orchester überlassen die Bühne in diesem Jahr einem anderen. Christof Altmann sucht dort nach Antworten auf die Frage: „Worom uns wohl dr Wei so schmeckt?”. Ein Titel, wie gemacht für das Weinfest. Das fand auch Günther Hausenbiegl, Vorstand des Harmonika-Orchesters. In einer nächtlichen Mail-Aktion hatte er bei Altmann angefragt - und eine Zusage erhalten. Der Kabarettist und Musiker fühlt sich in dem schwäbischen Ambiente sichtlich wohl. „Es isch recht, dass ihr do sen”, meint er in seinen Begrüßungsworten. Und er vergisst dabei nicht, was seine Aufgabe an diesem Abend ist: „Denn hier goht’s heit Obend ab.”

Damit dies auch eintreten kann, wird für das leibliche Wohl der Gäste gesorgt. Die Männer und Frauen des Harmonika-Orchesters laufen dafür eigens durch das gute Dutzend Sitzreihen. Mitten unter ihnen Marcel. Der ist gerade mal elf und der Jüngste im Saal. Das Viertele Roten schenkt er aber schon wie ein Großer ein.
Das Orchester vor statt auf der Bühne? Warum der Rollentausch? „Man muss Abwechslung bringen”, meint Jörg Grundner, Vorstand und Pressesprecher des Orchesters. In den vergangenen Jahren waren die Besucherzahlen des Weinfestes rückläufig. Deshalb stimmt der Blick ins Rund Grundner in diesem Jahr zufrieden: „150 Karten sind schon im Vorverkauf weggegangen.” Bereits bevor Altmann und seine dreiköpfige Band die Bühne betreten, sind 250 Gäste da. Das sind mehr als im letzten Jahr.
Auch zehn Euro Eintritt erschrecken die Endersbacher nicht. Der Eintritt ist ein Novum in der fast 40-jährigen Geschichte des Weinfestes. Für das Geld gibt’s dann aber auch eine Gratis-Weinprobe. Vier Weine aus der Remstal-Kellerei werden von Weingärtner
   
Siegfried Kuhnle aus Endersbach vorgestellt. Schlechte Karten hat dabei der „Fresco Rot.” Nicht seines Geschmacks wegen, sondern weil das Mikrofon zu leise gestellt ist. Kuhnles Ausführungen gehen im Gemurmel im Saal unter. Das entgeht auch Altmann nicht. Auf seine Bitte hin wird der Ton lauter gestellt.
Altmanns Programm ist ganz auf diesen Abend zugeschnitten: „En so a Gläsle Wei stecke mr halt alle gern dr Zenke nei.” Auch das Outfit stimmt. Blaues Hemd und Jeans passen farblich zur riesigen Weintraube, die über der Bühne hängt.
Mal mit Instrument, mal nur verbal nimmt Altmann die Gäste mit auf eine Weltreise. Vom „hinteren Vorderasien”, wo der Wein vor 3500 Jahren „seinen Siegeszug” begonnen hatte, führt sein Weg nach Bad Cannstatt. Dazwischen macht er Station im antiken Rom und auf Hawaii. Den Wein hat er dabei immer im Gepäck. Erst einen roten „Regent”, dann einen Schwarzriesling rosé und zum Abschluss einen weißen „Schnaiter Wartbühl”. Für die Vorstellung der Weine überlässt er freilich Fachmann Kuhnle das Wort. Aufmerksame Zuhörer erfahren, dass ein Schwarzriesling eher einem Spätburgunder denn einem Riesling gleicht. „Er heißt nur so, weil die Trauben so ähnlich aussehen”, so Kuhnle. Die eher Geselligen folgen derweil brav Altmanns Aufforderung zum Anstoßen der Gläser: Denn „im Wein liegt die Wahrheit - und mit der stößt man ja auch gerne mal an”. Kritik inmitten einer gutlaunigen Weinprobe? Sie bleibt ein Einzelfall. Stattdessen wird gesungen und geklatscht. Zunächst noch auf Aufforderung von Zampano Altmann hin, später aus freien Stücken.
Am Sonntag erlebt das Weinfest dann seinen traditionellen Krämermarkt. Von elf bis 18 Uhr bieten 65 Krämer entlang der Strümpfelbacher Straße ihre Ware an. Wer’s gesellig mag, für den gibt’s in der Jahnhalle Verköstigung. Es singen und spielen der Gesangverein Liederkranz und die Akkordeontruppe Ebersbach. Für den Liederkranz gilt es dabei, gut aufzupassen. Im stetigen Wechsel mit dem Harmonika-Orchester wird ihnen nämlich beim nächsten Mal wieder die Organisation zuteil.
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