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Waiblinger Kreiszeitung, 8. September 2008

Warten auf das Unterhöschen

Schoofseggl als Stimmungsgarant beim Weinfest des Harmonika-Orchesters Endersbach
Weinstadt-Endersbach.
Spitzenhöschen und String-Tangas aus einem Hauch von nichts segeln am Wochenende auf die Bühne der Jahnhalle. Zum Weinfest des Harmonika-Orchesters Endersbach am Wochenende haben die Schoofseggl aus Kernen ihr Heimspiel. Und weil der Schwabe ja immer ein bissle braucht, um so richtig wild aus sich herauszugehen, haben die Mundart-Komiker die Unterwäsche zuvor selbst an die Frauen der ersten Publikumsreihe verteilt: „Schmeiß die, wenn du es nicht mehr aushältst.”

Mit Unterhöschen beworfen zu werden, gebe ihnen ein Gefühl von „Rolling Stone”, sagten die Musiker. Nur ist eben das Publikum nicht ganz dasselbe. Zwischen Wortwitz und Gesangskalauern müssen die Schoofseggl ihr Publikum in der ersten Reihe immer wieder anstupsen: „Hast du schon was fliegen sehen?” - „Nein, aber ich glaube, das kommt noch.”
So richtig auf Touren kommen die „Super Schwoba”, wenn die Bühnenhelden sie als Krone der Schöpfung besingen und mit Einlagen wie dieser die Schwabenseele streicheln: „Was ist der Unterschied zwischen einem Yoghurt und einem Badenser?” - „Na, der Yoghurt hat Kultur.” Und wo schon die kulturellen Eigenarten der Volksstämme in Deutschland ange-sprochen sind, darf auch die putzige Seite des typisch Schwäbischen nicht fehlen. So wird aus dem „Wirtshaus in unserer Straße” geschwind die „Kehrwoch´ in unserer Straße” - und das Publikum singt mit.
„Flog da schon ein Arschgrabbler?” Wo die Schwaben doch so ordentlich und sauber sind, hätten die Schoofseggl ahnen können, dass die schwäbische Frau nicht einfach hemmungslos mit sexy Kleidungsstücken um
  sich schmeißt. Muss ja alles wieder aufgeräumt werden. Und weil das meistens die Hausfrau macht, ist sie auch nicht etwa wegen ihres adretten Äußeren zu loben. Die Schwäbin höre gerne: „Mensch, du siehst heut´ aber wieder abg´schafft aus.”
Bestrebt, noch Höschen zu kassieren, zücken die Schoofseggl gegen später leuchtend-orangefarbene Hüte. Sie sind jetzt „Kau”-Boys, erklären die Musiker. „Hast du Kaugummi im Ohr, kommt dir alles etwas leiser vor”, singen sie dem Publikum entgegen. Und noch bevor das sich fragen kann, was die Kaumasse denn überhaupt im Ohr zu suchen hat, die Antwort: „Ich bin ein Gummifetischist.”
Das war das Stichwort: Auf dem Wäschezettel der Unterhose steht 100 Prozent Kunstfaser. Jetzt, so ahnt die Schwäbin - das flotte Teil muss im hohen Bogen auf dem Bühnenboden landen. Also Anlauf und mit Schwung... Nach Feinstaub-Rap, Laminat-Karle (statt Holzmichel) und dem Remstal-Lied haben die Schoofseggl tatsächlich eine beachtliche Anzahl Tangas an ihren Notenständern baumeln.
Dass schwäbische Mundart und humorige Songs zu zünftigem Vesper und guten Weinen die Gäste begeistern, ist keine Überraschung. Darauf hat das Harmonika-Orchester mit den Schoofseggl ja gesetzt. Eine böse Überraschung droht aber möglicherweise nach nahrhaftem Fest-Wochenende am Montag auf der Waage.
Die Schoofseggl betonen zwar, ganz besonders stolz auf ihre „spätzlesgestählten Körper” zu sein... Aber für den schwergewichtigen Ernstfall haben sie dann doch ein Geheimrezept: „Von Kopf bis Fuß mit Pril einreiben. Das nimmt das Fett.”
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